Goldener Rittner Herbst

So werden unseren früheren Sommerfrischler den Ritten kaum erlebt haben. Die traditionelle Aufenthaltsdauer in Oberbozen lag zwischen Peter und Paul (29. Juni) und Maria Geburt (8. September); außerhalb dieser Zeit wurde der Ritten von den Stadtbewohnern nicht besucht. Einerseits war er bis zur Bahneröffnung nur mühsam zu erreichen und andererseits bestand lange kein besonderes Interesse daran. Erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts verbreitete sich in der Allgemeinheit der Wunsch, Berge zu besteigen. In der Folge entstanden die Alpinclubs, Wege wurden markiert. Schutzhäuser auf den Bergen errichtet, Bergbahnen gebaut.

Franz Kinsele hat im Hinblick auf die deutlich bessere Erreichbarkeit durch den bevorstehenden Bahnbau die Villa Kinsele winterfester gemacht. Er, der inzwischen pensionierte Sparkassenkassier, wollte nicht nur den Sommer in Oberbozen verbringen. Ihm verdanken wir deshalb die beiden Täfelungen im Erdgeschoss. Der auch von ihm dort errichtetete einzige Kachelofen des Hauses fiel aber den Umbauarbeiten in den 70er Jahren zum Opfer. Leider konnte Franz Kinsele die Vorteile der Bahn nur kurz nutzen: Am 9. Januar 1908, im ersten Winter, in dem die Bahn in Betrieb war, verstarb er unerwartet.

Moj

2027 wird sich zum 150. Mal der Geburtstag des “Rittner Dichters”, Hans von Hoffensthal, jähren. Um mich schon beizeiten auf das Jubiläumsjahr einzustimmen bzw. es nicht unvorbereitet anzugehen und nicht zuletzt wegen eines dritten, bedeutenden Grundes, den anzugeben es aber noch verfrüht ist, habe ich mir diese Wochen seinen letzten Roman “Moj” zu Gemüte geführt.

“Mit tiefer Wehmut nimmt man das Buch zur Hand. Ein letzter Gruß aus einem frischen, allzu frühen Grab.”

Abb. 1: Die leinengebunde Ausgabe im Format eines heutigen Taschenbuches.
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Die Freude, etwas zurückzugeben

Abb. 1: Der Katalog zur Ausstellung “Kaufmannsgesichter – Volti di mercanti”.

In den fünf Jahren, in denen an diesem Blog gearbeitet wird, habe ich doch so einiges zusammengetragen, analysiert und eingeordnet. Dabei habe ich auf mündliche sowie schriftliche Mitteilungen, Bücher, Zeitungsartikel, Beiträge in Zeitschriften, Karten, Bilder, Drucke sowie Ansichtskarten zurückgegriffen. Ich konnte dabei also immer auf der Vorarbeit anderer aufbauen.

Abb. 2: Ein Ausschnitt aus dem Literaturverzeichnis.
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Villa Kinsele im Herbst

Grün, gelb und blau, das sind die Farben, welche momentan, an diesen wunderschönen Herbsttagen der ersten Oktoberhälfte am Ritten über alles herrschen. Der Morgen ist kalt, aber nicht frostig, zur Tageshälfte kann man angenehm im Freien zu Mittag essen, kaum ist die Sonne weg, wird es schnell kühl, die Tage sind merklich kürzer geworden. Fein, dass im Inneren des Hauses dann die neue Fußbodenheizung für angenehme Wärme sorgt. Und Kastanienherzen gibt es auch schon.

Herbsttag

Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.

Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,

und auf den Fluren laß die Winde los
.

Befiehl den letzten Früchten voll zu sein;

gieb ihnen noch zwei südlichere Tage,

dränge sie zur Vollendung hin und jage

die letzte Süße in den schweren Wein.


Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.

Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,

wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben

und wird in den Alleen hin und her

unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.


Rainer Maria Rilke (1875 bis 1926)

À propos: Die Villa Freischütz in Meran

Abb. 1: Die Startseite des Internetauftritts der Villa Freischütz.

Das Hausmuseum Villa Freischütz in Meran musste meine Neugierde wecken. Wenn man sich, wie ich, mit dem Auf und Ab der Villa Kinsele und der involvierten Familien sowie den Veränderungen der Umgebung auseinandersetzt, dann kommt man um einen Besuch der Villa Freischütz nicht herum!

Wir hatten das große Glück, von Architektin Herta Waldner, der Präsidentin der Stiftung Navarini-Ugarte, welche das Museum leitet, durch das Haus geführt zu werden. Sie nahm sich viel Zeit dafür und erzählte so ausführlich wie leidenschaftlich von dem beeindruckenden, auf Ehrenamtlichkeit basierendem Projekt.

Abb. 2: Frau Herta Waldner, Präsidentin der Stiftung Navarini-Ugarte, mit den Fotos des ersten Eigentümers und der letzten Eigentümerin.
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Sehnsuchtsgipfel Rittnerhorn

Willst Du das Land Tirol mit einem Blick überschauen, so musst du das Rittner Horn besteigen.
(Volksweisheit um 1900)

Sicherlich gab es schon – ziemlich wahrscheinlich berittene – Ausflüge der historischen Sommerfrischler auf das Rittner Horn, seit diese in Lengmoos oder dem entfernteren Oberbozen ihre Sommer verbrachten. Aber mit dem Beginn der touristischen Erschließung der Alpen im 19. Jahrhundert wurde das 2.260 m hohe Rittner Horn, das sich eigentlich auf dem Barbianer Gemeindegebiet befindet, immer öfter besucht. Zum einen, weil der Anstieg nicht steil ist und deshalb auch für bergunerfahrene Touristen bewältigbar, zum zweiten weil die dargebotene Rundsicht in alle Himmelsrichtungen ob ihrer Weite fürwahr beeindruckend ist.

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Julius Perathoner, Bozner Bürgermeister

Julius Perathoner (1849 bis 1926) war nicht ein Teil der Kinseleverwandschaft aber doch zumindest mit einem von ihnen sehr verbunden: Anton Kinsele (1865 bis 1946) arbeitete zusammen mit Perathoner in der gemeinsamen Anwaltskanzlei am Bozner Obstmarkt. Anton Kinsele war auch unter Perathoner Stadtrat in Bozen und blieb sogar nach der Machtergreifung der Faschisten im Rahmen der Möglichkeiten ein politisch agierender Mensch (ihm werden noch einige Beiträge gewidmet werden).

Nachdem Julius Perathoner ganz stark ein (Vorzeige-) Kind seiner Zeit war, das Umfeld der vorletzten Kinsele-Generation auch am Ritten wesentlich beeinflusst hat und zudem erst vor ein paar Tagen der bemerkenswerte Beitrag im RAI Sender Südtirol ausgestrahlt wurde, wollte ich die dessen Aufzeichnung der geschätzten Leserschaft nicht vorenthalten.

In diesem Beitrag verwendete Literatur- und Bildquellen:

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Kainrath, P. P. (2017). Julius Perathoner [Video recording]. Media Art im Auftrag von Rai Südtirol.

Heuernte

Schon in den ältesten bisher vorgefunden Dokumenten scheinen die beiden Wiesen südlich und westlich der Villa Kinsele zum Haus gehörig auf. Nachdem sie immer nur am Rand eine Bepflanzung aufgewiesen haben, liegt der Schluss nahe, dass sie seit jeher auch als Futterflächen gedient haben. Im Video das Ehepaar Haller-Prieth vom Unterbergerhof bei der diesjährigen Heuernte in der unteren Wiese.

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