Tatsächlich ist das eine Frage, welche mir des Öfteren gestellt wird. Inzwischen, Stand Oktober 2026, sind es doch an die 200 geworden. Schnell wurde mir zu Beginn des Schreibens an diesem Blog klar, dass Ansichtskarten wichtige Unterstützer sind. Ansichten aus früheren Jahren helfen einserseits, die Sachverhalte zu erklären bzw. Ereignisse zeitlich einzuordnen und andrerseits die Attraktivität der Beiträge deutlich zu erhöhen. Fotografien, besonders aus vergangenen Zeiten, haben eben eine große Anziehungskraft, wahrscheinlich weil sie als getreue Abbildungen wahrgenommen werden.
Abb. 1: “Lago di Costalovara m. 1186 sul Renon verso le Dolomiti “. Kolorierte Ansichtskarte, Anfang 20. Jh.
In der Auflistung der Seen auf der Webseite der Südtiroler Landesverwaltung wird das Gewässer folgendermaßen beschrieben: “Der Wolfsgrubener See befindet sich auf einer Meereshöhe von 1176 m und erstreckt sich über eine Fläche von 3,3 ha, seine maximale Tiefe beträgt 4 m. Der Badesee liegt am südöstlichen Rand der Rittner Hochfläche, die hier steil gegen den Bozner Talkessel abbricht. Der See ist natürlichen Ursprungs, er wurde durch Moränenschutt aufgestaut und mit einem künstlichen Damm ergänzt. Der Felsuntergrund besteht ausschließlich aus Quarzporphyr, der von Moränenschutt überlagert ist. Der See weist nur eine geringe Tiefe auf – die tiefste Stelle des Sees befindet sich im Osten – und neigt zur Massenentwicklung von Unterwasserpflanzen. Von den drei Zuflüssen bringt nur der im Norden eine nennenswerte Wassermenge. Zusätzlich wurde ein künstlicher Zufluss angelegt.”
Tatsächlich wird der Wolfsgrubnersee vielfältig genutzt. Durch die Errichtung eines kleinen Dammes an der Ostseite schon vor langer Zeit wurde die Erhöhung des Wasserspiegels ermöglicht, wodurch der Betrieb von wassergetriebenen Mühlen, Sägewerken und Schmieden am Eschenbach (Abb. 2) sicherer gestaltet wurde. Entlang dieses Gewässers gab es 25 solcher Betriebe, von Wolfsgruben über Unterinn bis Blumau, wo der Eschenbach nach ungefähr 900 Höhenmetern in den Eisack mündet.
Abb. 2: Der Wofsgrubner See in einer Katasterkarte von 1858.
Doch auch touristisch – wenn man den Begriff weiter fasst – weckte der idyllische See (Abb.1) schon früh Interesse. Die Oberbozner Sommerfrischler wählten ihn nachgewiesenermaßen häufig als Ausflugsziel. Für die Mitglieder der Schützengesellschaft am Ritten war das Schießen auf Scheiben, die auf Booten in der Mitte des Sees aufgestellt waren, ein seltener Höhepunkt des Aufenthalts.
Abb. 3: Das alte, heruntergekommene Gebäude des Unterweihrerhofes in einem Foto von Robert oder Lori Kinsele, um 1910. Links kann man im Hintergrund den See mit einem sehr niederen Wasserstand erkennen.„Ansichtskarten der Woche (16)“ weiterlesen
Abb. 1: “IL BELL’ALTO ADIGE Motivo sul RENON presso Bolzano” Ansichtskarte, Zwischenkriegszeit, Sammlung Kobler.
Der Geyerer (Abb. 1 und 2), heute Geyrer geschrieben, ist mit seinen 1.330 m Seehöhe der höchstgelegene Hof Oberbozens. Schon deshalb wurde er mit dem Aufkommen des Tourismus gerne als Aussichtsort besucht, später auch als Startpunkt von Rodel- und Skiabfahrten. Aus dieser Zeit dürfte auch die Errichtung eines Gasthauses an der Hofstelle stammen, das mehrmals in den Zeitungen der damaligen Epoche erwähnt wird.
Abb. 1: “Station Oberbozen m. Rosengartengruppe” (Ansichtskarte, Anfang 20. Jh.). Links im Vordergrund die Westseite der Villa Meßmer. Die im Vordergrund ersichtlichen Flächen des späteren Parks des Hotel Hofer/Friedl/Post werden noch landwirtschaftlich genutzt. Das Klicken auf die Abbildung vergrößert wie immer deren Darstellung am Bildschirm.
Selbst den meisten Ritten-Kennern wird der Name „Villa Meßmer” nichts sagen. Tatsächlich trug die Villa diesen Namen nur ganz kurz. Zudem konnte sie ihre ursprüngliche Form und Zweckbestimmung nur für kurze Zeit behalten. Sie war eine jener Villen – in Aussicht gestellt wurden laut Zeitungsberichten 200 (!) –, welche in der ersten Zeit um und nach dem Bau der Rittnerbahn hochgezogen wurden (Abb. 2). Der Bauherr war Dr. Heinrich (Heinz) Meßmer, ein rühriger Bozner Zahnarzt.
Abb. 2: Auszüge aus dem Grundbuch. “Maria Schnee – BP. 1161 – Wohnhaus Nr. 75 Oberbozen”.
Geboren wurde er im oberösterreichischen Freistadt, wuchs aber in Bozen auf, wo der zweite Mann seiner Mutter, Dr. Franz v. Zallinger, eine Zahnarztpraxis führte. Nach seiner Promotion zum Doktor der Gesamten Heilkunde war er in verschiedenen Teilen der österreichischen Monarchie tätig, bis er sich 1901 als Zahnarzt in Bozen niederließ. Er war stark im Musik- und Gesellschaftsleben der Stadt eingebunden, man findet zahlreiche Zeitungsmeldungen aus der Zeit, wo über ihn als Sänger, Liedtexter, Konzertveranstalter, Ballorganisator usw. berichtet wird. Auch wurde er 1902 in den ersten Vorstand des gerade gegründeten “Fremdenverkehrs- und Verschönerungsverein Bozen und Umgebung” gewählt. Trotzdem zieht er schon 1908 nach Wien, seine neue Villa am Ritten hatte er also nur kurz bewohnt. Er verkauft sie schließlich 1910 an Hans Holzner, der kurz davor das Hotel Oberbozen, welches für kurze Zeit Hotel Maria Schnee hieß, gepachtet und kurze Zeit später käuflich erwerben sollte (Abb. 3).
Abb. 1: “Castelpietra sul Renon col Sciliar”: Ansichtskarte aus der Zwischenkriegszeit.
“Die Ruine der Burg Stein am Ritten befindet sich in Südtirol in der Gemeinde Ritten unterhalb von Siffian. Die wenigen imposanten Reste der Burgruine erheben sich auf einem isolierten Felskopf ober einer Schlucht, die vom Ritten ins untere Eisacktal abfällt. Vom ehemals mindestens vierstöckigen Palas stehen nur noch Süd- und Westwand, die Ringmauern der tiefer gelegenen Vorburg sind zum Großteil in die Tiefe gestürzt. In der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts wurde die Anlage von den Herren „de Lapide“ (zum Stein) erbaut, 1349 zerstört, danach wieder aufgebaut und im 17. Jahrhundert aufgelassen. Über lange Zeit fungierte die an wichtigen Sekundärverbindungen gelegene Burg als Gerichtssitz des Rittens. Im Auftrag der Tiroler Landesfürsten übten im 15. Jahrhundert Pflegrichter die Gerichtsbarkeit aus, so im Jahr 1417 der Bozener Adelige Ingenuin von Weineck als <phleger auf dem Stain>“. (aus Wikipedia 2025)
Abb. 1: “Costalovara m. 1225 sul Renon – Wolfsgruben am Ritten” (Ansichtskarte, Anfang 20. Jh.). Das Klicken auf die Abbildung vergrößert wie immer deren Darstellung am Bildschirm.
Ritten-Kenner werden in Abbildung 1 sogleich das St.-Josef-Kirchlein des Weilers Wolfsgruben, kurz vor Oberbozen gelegen, erkannt haben. Wenn man die Ansichtskarte vergrößert, erkennt man den noch offenen Bach, der zum gleichnamigen See führt, einen Holzsteg darüber, einen Karrenweg und rechts, dem Zaun entlang, einen gepflegten Fußweg. Und wenn man besonders akkurat in die linke Ecke schaut (Abb. 2), kann man einen an der Lärche die dringende Notdurft verrichtenden Knaben erkennen. Wird er die Anwesenheit des Fotografen nicht bemerkt haben?
Abb. 2: Vergrößerter Ausschnitt aus Abbildung 1.
Und wie sieht die Situation heute aus? Ich habe letztlich probiert, das Foto nachzustellen (Abb. 3) , ein Unterfangen, das schon durch die vermutlich verschiedenen Brennweiten nicht erleichtert wird. Zudem ist es nicht einfach, den Aufnahmepunkt zu finden bzw. kann er auch gar nicht mehr zugänglich sein. Im Fall von Wolfsgruben hatte ich Glück, man kann die Bilder recht gut vergleichen.
“… das Pfarrdorf Lengmoos, das ansehnlichste im ganzen Gebirge,”
Abb. 1: “Lengmoos am Ritten. Tirol.” (Ansichtskarte, Anfang 20. Jh.). Das Klicken auf die Abbildung vergrößert wie immer deren Darstellung am Bildschirm.
Ein kolorierte Ansichtskarte, welche Lengmoos aus einer eher unüblichen Perspektive zeigt. Der Fotograf befindet sich im oberen Teil Klobensteins und schaut Richtung Osten. Dementsprechend sind im Hintergrund die Berge Grödens ersichtlich, der sonst so dominante Gebirgsstock des Schlerns ist vom bewaldeten Bergrücken in der rechten Hälfte des Bildes, dem Fennbühel, verdeckt. Lengmoos ist der älteste Teil des Rittens, der siedlungsmäßig von Bedeutung war, führte doch hier die Kaiserstraße vorbei. Sehr schön der für die damalige Zeit charakteristische Holzzaun. Wenn man genau schaut, sieht man eine ältere Person mit Bart am Wegesrand rasten. Über die älteste Sommerfrische am Rittner Berg habe ich schon seinerzeit was geschrieben.
Abb. 1: “Rittnerbahn. Oberbozen. Erdpyramide gegen das Mendelgebirge.” (Ansichtskarte, Anfang 20. Jh.). Das Klicken auf die Abbildung vergrößert wie immer deren Darstellung am Bildschirm. Unter den Erdpyramiden die Rivelaunschlucht., im Hintergrund links der Kohlererberg, ganz hinten der Mendelzug mit dem verschneiten Roen.
Die Rittner Erdpyramiden sind ganz spezielle Gesteinsformationen, welche besonders in der Vergangenheit als ein Alleinstellungsmerkmal den Ritten bekannt gemacht haben. Jene bei Lengmoos sind besser zur Besichtigung erschlossen und auch deswegen bekannter, zu jenen in Oberbozen (Abb. 1) ist der Anmarsch länger und beschwerlicher, aber man kann sie recht gut auch von der Seilbahn aus sehen.
Abb. 1: “Bahnhof Oberbozen mit Hotel Holzner” (Ansichtskarte, 20er Jahre). Das Klicken auf die Abbildung vergrößert wie immer deren Darstellung am Bildschirm.
Eine Ansichtskarte (Abb. 1) aus der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg: Das Hotel Oberbozen wurde schon zu Hotel Holzner umbenannt. Eine Garnitur der Rittnerbahn, kommend von Klobenstein, ist Richtung Bozen abfahrbereit. Der auch heute noch Hotel Holzner genannte Beherbergungsbetrieb, der als Hotel Maria Schnee geplant und als Hotel Oberbozen eröffnet wurde, hat den gehobenen Tourismus am westlichen Rittner Plateau eingeleitet. Das Hotel hat hinsichtlich Lage, Größe und Ausstattung Maßstäbe gesetzt, weswegen dessen Abbildungen zahlreich in die Welt hinaus geschickt wurden. Man erkennt auch das hell getünchte Stationsgebäude und ganz links das Dach des Warenlagers der Bahn. Die sichtbaren Verkehrswege sind mit den heutigen ident, freilich waren die Beläge naturnäher, mit allen Vor- und Nachteilen. Zu der Zeit überwog der ländlicher Charakter des Rittens noch stark. Letztlich ist gerade durch die harte Gestaltung des Riehl-Platzes, wie dieses Areal jetzt zu Ehren des Erbauers der Rittnerbahn heißt, die Stadt nochmals näher herangerückt.
Rudolf Alfred Höger (1877 bis 1930) war ein österreichischer Genre- und Kriegsmaler. Dass er eine bestimmte Zeit am Ritten verbracht hat, bezeugen so um die zehn Landschaftsbilder von Lengmoos über Wolfsgruben bis Oberbozen, die als Ansichtskarten den Weg in die Öffentlichkeit gefunden haben. Den Ritten als Sujet muss er nach dem Bau der Rittnerbahn entdeckt haben, sind auf mehreren Exemplaren doch schon das Oberbozner Bahnhofsgebäude und das Hotel Oberbozen abgebildet. Es kann auch durchaus sein, dass er im Auftrag eines Ansichtskartenverlegers oder der örtlichen Tourismustreibenden gearbeitet hat.
Wir verwenden Cookies, um unsere Website und unseren Service zu optimieren.
Funktional Immer aktiv
Die technische Speicherung oder der Zugang ist unbedingt erforderlich für den rechtmäßigen Zweck, die Nutzung eines bestimmten Dienstes zu ermöglichen, der vom Teilnehmer oder Nutzer ausdrücklich gewünscht wird, oder für den alleinigen Zweck, die Übertragung einer Nachricht über ein elektronisches Kommunikationsnetz durchzuführen.
Vorlieben
Die technische Speicherung oder der Zugriff ist für den rechtmäßigen Zweck der Speicherung von Präferenzen erforderlich, die nicht vom Abonnenten oder Benutzer angefordert wurden.
Statistiken
Die technische Speicherung oder der Zugriff, der ausschließlich zu statistischen Zwecken erfolgt.Die technische Speicherung oder der Zugriff, der ausschließlich zu anonymen statistischen Zwecken verwendet wird. Ohne eine Vorladung, die freiwillige Zustimmung deines Internetdienstanbieters oder zusätzliche Aufzeichnungen von Dritten können die zu diesem Zweck gespeicherten oder abgerufenen Informationen allein in der Regel nicht dazu verwendet werden, dich zu identifizieren.
Marketing
Die technische Speicherung oder der Zugriff ist erforderlich, um Nutzerprofile zu erstellen, um Werbung zu versenden oder um den Nutzer auf einer Website oder über mehrere Websites hinweg zu ähnlichen Marketingzwecken zu verfolgen.