Ansichtskarte der Woche (15)

Der Geyerer einst und jetzt

Abb. 1: “IL BELL’ALTO ADIGE Motivo sul RENON presso Bolzano” Ansichtskarte, Zwischenkriegszeit, Sammlung Kobler.

Der Geyerer (Abb. 1 und 2), heute Geyrer geschrieben, ist mit seinen 1.330 m Seehรถhe der hรถchstgelegene Hof Oberbozens. Schon deshalb wurde er mit dem Aufkommen des Tourismus gerne als Aussichtsort besucht, spรคter auch als Startpunkt von Rodel- und Skiabfahrten. Aus dieser Zeit dรผrfte auch die Errichtung eines Gasthauses an der Hofstelle stammen, das mehrmals in den Zeitungen der damaligen Epoche erwรคhnt wird.

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Hรถhepunkt und Niedergang der Villa Kinsele

In der zweiten Hรคlfte des 19. Jahrhundert erreicht die Ausdehnung der Kinsel’schen Besitzungen in Maria Schnee ihren Hรถhepunkt: Die Brรผder Richard und Franz Kinsele, Sรถhne von Alois und Enkel von Franz Sales, lรถsen ihre Geschwister am Eigentum der Villa ab und erweiteren ihren Besitz an dem Platzl vor dem Haus.

Abb. 1: Ex Libris von Anton Kinsele; er liegt auf der Wiese vor dem heute noch bestehenden Pavillon im so genannten Wegerpark. Die Zeichnung stammt von seiner Cousine Eleonore (Lore) Kinsele. 1920 trennen er und seine Schwester sich von diesem Besitz.

1866 ersteigert Richard Kinsele das angebaute, รคltere Sommerfrischhaus von Maria Schnee (wir heiรŸen es immer noch Wegerhaus) und verkauft 1873 an den Bruder Franz seinen Anteil an der Villa Kinsele. Aus dieser Zeit dรผrfte auch die Tรผr stammen, welche die beiden Villen direkt verband und wir, inzwischen zugemauert, vorgefunden haben. Das Sommerrefugium, dessen Eigentรผmer vormals die Familien Menz, Grรคtzl und Kofler waren, vererbt Richard an seine beiden Kinder Anton und Franziska (Fanny). Diese, beide kinderlos, verkaufen es 1920 an die Familie Weger. Eine weitere Erweiterung erfรคhrt die Villa Kinsele 1880, als Franz auch die untere Wiese samt Gemรผsegarten erwirbt. Wann die obere Wiese dazukam, weiรŸ ich noch nicht, 1866 scheint sie noch dem Doppelbauern gehรถrt zu haben, siehe Hinweis in Abbildung 2.

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“… umgebenden groรŸen Bรคume…”

Das Haus ist nach 3 Seiten frei
aber wegen der dasselbe umge-
benden groรŸen Bรคume u. schiefen
Wiese sehr schwer zu fotografirn.
Bitte um freundl. Returnirung.
Oberbozen bei Bozen Sรผdtirol
Kinsele-Haus, Mรผnchen
Ysenburgstrasse 1

Wahrscheinlich von Eleonore Kinsele geschrieben, es ist nรคmlich eine ihrer Mรผnchner Wohnadressen angegeben.

Wenn man sich die Fotos und Bilder bis 1945 ansieht โ€“ die Zeit bis zum Umbau 1970 fehlt bildlich leider momentan noch, โ€“ fรคllt zumindest ein zusรคtzlicher Baum auf. Unschwer an den typischen Blรคttern erkennbar, handelt es sich um eine hochgewachsene Rosskastanie, deren Stamm sich vor der schmalen Westseite des Hauses befunden haben muss.

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Eleonore Kinsele in Hall bei Franckensteins

Eine vorgefundene ungeschriebene Postkarte. Die sogenannte Haller Nagglburg (Alexander Zanesco).

Dem Winzerkollegen Baron Sigmund Kripp habe ich es zu verdanken, dass ich mit Herrn Josef von Franckenstein aus Hall Kontakt aufnehmen konnte. Eine sehr ergiebige Quelle, wie sich herausstellen sollte. Ich habe ersterem eigentlich nur beilรคufig von diesem Projekt erzรคhlt, aber nachdem seine Familie sehr stark mit der Salzbergwerksgemeinde verbunden ist, hat er sogleich den Beitrag รผber erste Haller Spuren gelesen. Dort ist ihm natรผrlich sogleich der Familienname seinen Freundes Josef von Franckenstein, wo Eleonore Kinsele von 1939 bis zu ihrem Tode 1958 wohnte, aufgefallen. Spontan hat mir Sigmund seine Telefonnummer und Mailadresse gegeben.

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Post aus Kremsmรผnster

Franziska Kastler, Robert Kastler, Tanja Lartschneider-Kastler. Sammlung Tanja Kastler.

Eine nachhaltige schรถne Begegnung โ€“ wenn auch inzwischen nur รผber Telefon und Mail โ€“ war jene mit Frau Tanja Lartschneider-Kastler, der ersten lebenden Nachfahrin der Kinseles, welcher ich bisher begegnet bin. Sie hat sich viel Zeit genommen und mir bei der Recherche viel weitergeholfen. Wir freuen uns schon auf ein Treffen in Oberbozen oder in Margreid. Dank ihrer Hilfe konnte ich jetzt den Stammbaum erweitern und vervollstรคndigen. Zudem hat sich mich mit kostbaren Fotos versorgt, alle beschriftet.

Josef Lartschneider, Johanna Kinsele-Lartschneider und ihre vier Kinder, von links Hedwig, Josef, Helene und Johanna. (Sammlung Tanja Kastler)
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Ausgezeichnete Schรผlerin

Von Eleonore Kinsele sind fast alle Schulzeugnisse vorhanden. Sie hat in Bozen die Volksschule besucht, spรคter war sie im Mariengarten in St. Pauls, schlussendlich bei den Ursulinen in Innsbruck. Diese Zeugnisse haben uns auch zu Beginn der Recherche ihr Geburtsdatum geliefert. Auf Grund der “Unterschrift der Eltern oder deren Stellvertreter” habe ich zuerst gedacht, Johanna Kinsele sei der Name der Mutter gewesen. Hingegen weiรŸ ich inzwischen, dass sie die รคltere Halbschwester war. Wieso Johanna unterschrieb, obwohl die Mutter von Eleonore noch lebte, bleibt mir unbekannt. Auffallend sind die vielen Fehltage in der Volksschule.

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Das Musikzimmer

In den Erzรคhlungen meiner Mutter (1926 – 1997), welche diese wiederum von damals schon รคlteren Herrschaften Oberbozens vernommen hat, war immer wieder von einem groรŸen Musikzimmer die Rede. Ein saalartiger Raum, in dem es musikalische Darbietungen aber auch Hausbรคlle der Sommerfrischgesellschaft gegeben haben soll. Meine geschรคftstรผchtige GroรŸtante, welche ja nie dieses Haus bewohnte und es eher als eine reine Investitionsmรถglichkeit ansah, lieรŸ bald nach dem Erwerb aus dem “GroรŸem Zimmer” ein komplette Wohnung darin entstehen. Auf dem Gebรคudekatastereintrag von 1940 ist der Salon noch zu sehen:

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Hall ist ergiebig

Blick auf die Nordkette? Von oberhalb Hall? Sammlung A. Kobler.

Der Gemeinde Hall bin ich sehr dankbar, hat sie mir doch zeitnahe und umfangreich geholfen. Harald Hรถfner,  Hermann Theis und besonders der Stadthistoriker Alexander Zanesco haben mir wertvolle Hinweise hinsichtlich unserer Eleonore Kinsele geben kรถnnen.

Dass diese am 4. April 1881 geboren ist, habe ich mittels der vorhanden Schulzeugnisse (Beitrag dazu folgt) herausgefunden. Aus Hall kam die Information, dass sie am 2. Februar 1956 dort ohne Nachfahren gestorben ist. Natรผrlich wรคre interessant, von ihrem Grab zu wissen. Aber:

Frau Eleonore Kinsele konnte ich im Sterbebuch des Standesamt Hall in Tirol  verstorben 02.02.1958 finden, leider haben wir im Friedhofsbuch Hall keinen Eintrag. Natรผrlich kann die Beerdigung รผberall gewesen sein oder sogar irgendwo in Sรผdtirol. Die Bestattung Ebenbichler in Hall in Tirol hat die Beerdigung durchgefรผhrt, aber ob die noch Unterlagen haben weiรŸ ich nicht.

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Der Ritten in alten Bildern

In der sprichwรถrtlichen alten Kartonschachtel haben wir diese Bilder gefunden. Wer ist der Autor? Von den Sujets her sollte die alte agrarische Welt, welche schon der radikalen Verรคnderung geweiht war, noch einmal mit dem Augen des Stรคdters festgehalten werden. Sollten alle einer Serie zugehรถrig sein, dann stammt diese aus den Jahren nach 1907, Warum dies? Auf einem Bild ist nรคmlich die Trasse der Rittnerbahn ersichtlich. War die Photografin Eleonore Kinsele? Oder doch ihr Bruder Robert? in einem Brief erklรคrt er ihr Methoden der Entwicklung und VergrรถรŸerung, welche laut ihm in den diesbezรผglichen Kursen zu oberflรคchlich erklรคrt werden.

Auf ein paar Bilder kann ich gewisse Orte am Ritten erkennen, bei weitem aber nicht auf allen. Deshalb habe ich sie dem Rittner Heimatkundler Klaus Demar geschickt, welcher sie in nรคchster Zeit den verschiedenen ร–rtlichkeiten und Hofstellen zuordnen wird. Er ist รผbrigens der Mitautor eines umfangreichen Buches รผber die Rittnerbahn.

Die Bildergalerie kann durch Anklicken vergrรถรŸert werden (Sammlung Kinsele- Kobler).

Exlibris

Gefunden bei Heinz Neumair.

Wieder ein schรถner Netzfund von der gefรผhlten 50. Google-Ergebnisseite. Man beachte unten links die Signatur LoreK. Anton Kinsele dรผrfte der Cousin von Eleonore gewesen sein (“Base”, “Vetter” im Brief). Er war ein Bozner Anwalt, war in Sozietรคt mit Julius Perathoner, dem letzten gewรคhlten Bรผrgermeister Bozens vor der Machtรผbernahme der Faschisten. Genauso wie dieser war auch Anton deutschnational und im Gemeinderat tรคtig. Er war sehr rรผhrig, denn man findet sein Engagement in mehreren Bereichen u.a. auch als Vorstandsmitglied des historischen Bozner Baumwollspinnwerks an der Talfer. Er war zudem Erstunterzeichner eines mutigen Protestschreibens Bozner Bรผrger, welche damit gegen die Errichtung des Siegesdenkmals โ€“ ohne Erfolg – protestierten.

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