Englische Jagdszenen in Oberbozen: Der Kupferstecher und Verleger Antonio Suntach

Über eine schöne, Jagdszenen darstellende Serie von Kupferstichen aus den letzten Jahren des 18. Jahrhunderts und den Malern, welche die Vorlagen lieferten, habe ich in einem früheren Beitrag geschrieben. Nun ging es darum, etwas über den Schöpfer der Kupferstiche zu erfahren. Bei allen Bildern dieser Serie war in der rechten unteren Ecke (Abb. 1) vermerkt: „Dirigée par A. Suntach“ („Geleitet von A. Suntach“).

Abb. 1: Ausschnitt aus der Serie von Kupferstichen mit den Jagdszenen.

War das also gar nicht der Ausführende selbst, sondern der Firmeninhaber? A., also Antonio, Suntach ist im Internet relativ leicht zu finden, denn seine Stiche werden immer wieder ausgestellt und – noch mehr – in Kunstversteigerungen angeboten. Auch zu einem weiterführenden, wenn auch nicht sehr ausführlichen Wikipediaeintrag hat er es geschafft.

Die weitere Suche ergab, dass die Stadt Bassano del Grappa ihm 2012 eine umfangreiche Ausstellung im Palazzo Sturm gewidmet hat. Mit ziemlich viel Geduld ist es mir gelungen, den Ausstellungskatalog (Abb. 2) samt dazugehöriger CD online, wahrscheinlich aus Restbeständen, zu erhalten.

Abb. 2: Umschlagbild des Kataloges zur Ausstellung: „Antonio Suntach – Ein Graveur des 18. Jahrhunderts zwischen Bassano, Rom und Europa“. Bassano del Grappa, Palazzo Sturm – Museo Remondini, 28. Jänner bis 1. Mai 2012, Rom, Istituto italiano per la grafica – calcografia, 27. September bis 4. November 2012.
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Englische Jagdszenen in Oberbozen: Die Maler George Morland und Julius Caesar Ibbetson

Abb. 1: „Die Jagd auf den Fasanen“

Wie schon in einem vorigen Posting berichtet, gehört zur Villa Kinsele einiges aus dem ausgehendem 18. Jahrhundert stammendes Mobiliar. So auch eine Serie von Kupferstichen, welche hinsichtlich der Sujets wie der Bilderrahmen auf diese Epoche verweisen. Nachdem ich auch von anderen Bewohnern historischer Sommerfrischhäuser gehört habe, dass sie ebenfalls ähnliche Kupferstiche, sogar in bedeutenderer Anzahl, besitzen, kann man das wirklich als ein in diesen Kreisen verbreitetes Modephänomen bezeichnen. Die Jagd, als eine in der Natur betriebene, beliebte, aber dem Adel vorbehaltene Sportart, war deshalb ein lohnendes Thema.

Abb. 2 bis 7: Die vorgefundene Kupferstiche zum Thema Jagd. Das Anklicken vergrößert die Abbildungsserie.

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Louis-seize [lwi sɛːz oder Lui säz]

Von Versailles in die Tiroler Provinz

Der Louis-seize (auch: Louis XVI, vorrevolutionärer Klassizismus) ist eine Stilrichtung in der französischen und französisch beeinflussten europäischen Kunst und Architektur des 18. Jahrhunderts zwischen 1760 und 1790. Der Stil ist benannt nach dem französischen König Ludwig XVI. (Regierungszeit: 1774–1792).
(Aus Wikipedia)

Abb. 1: Wollen wir kurz auf dem Gang im 1. Stocke zwischen den Wohnungen „Lori“ und „Johanna“ verweilen?

Es ist nicht feststellbar, wem genau wir den reichhaltigen Bestand an Möbeln dieser Stilrichtung zuzuschreiben haben, ob dem Sohn des Erbauers der des Kinselehauses, dem späteren Bankrotteur Joseph Andre Lanner, oder dem 1779 nachfolgendem Ersteigerer der Immobilie, dem Emporkömmling Franz Sales Kinsele. Tatsache ist jedenfalls, dass die vermögenden Bozner Handelsherren gute bis beste Kontakte auch zur Welt außerhalb des „Land im Gebirge“ hatten und ihren Reichtum nicht ungern mit Gegenständen à la mode zelebrierten.

Abb 2: Praxistauglichkeit ist keine Erfindung von heute: Der mit Intarsien verzierte Esstisch in der Wohnung „Johanna“ ist ausziehbar. Die Stühle und das Canape stammen – leicht ersichtlich – aus der gleichen Zeit.
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