Die alte Dame hat’s gefreut

Eine Veranstaltung für jedes ihrer Jahrhunderte

Abb. 1: Cordes y Butons am 19. August.

Die Veranstaltungsserie „300 Jahre Villa Kinsele“ war ein Erfolg – wenn auch nur zu einem Teil. Zwar konnte Prof. Daniela Salvucci mit ihrem bebilderten Vortrag über das Ehepaar Malinowski das überaus interessierte Publikum fesseln – wenn auch im Ausweichquartier Maria-Schnee-Kirche –, berührten Cordes y Butons die Zuhörenden mit ihren Klängen zutiefst, und es kamen auch immer mehr Personen als erwartet. Diese unterhielten sich zudem trefflich beim Umtrunk am Platzl und nahmen auch zahlreich an den improvisierten Hausführungen teil. Das zahlenmäßig größte Ensemble, Philomusia, für welches die Bühne dimensioniert war, musste jedoch sein Konzert nach fünfzehn Minuten abbrechen: Ein kurzes, aber intensives Gewitter bereitete dem kulturellen Hochgenuss ein unerwartetes und jähes Ende.

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Die Villa Kinsele wird 300 Jahre alt, ein Grund zu feiern!

Am 28. August 1726 verkaufen der „ehrsame“ Mathias Prackwieser, „Oberhofer zu Oberpozen“ und seine „tugendhafte Ehewirtin“ Ursula Lintner dem „edlen Herrn“ Andre Lanner, „Bürger und Kaufherr zu Bozen“, ein neues, an das Oberhofer-Wohnhaus grenzende Gebäude zum Zwecke der Sommerfrische. Aus den „erpauten zwo Camern sambt all den ybrigen Umb- unnd Ingepeyen, Item Kheller, Kichele, Dillen und Stallele“ wird im Laufe der folgende Jahrzehnte durch die Familien Lanner zuerst und Kinsele danach – auch erfolgreiche Bozner Kaufherren – , ein für Oberbozen typisches Sommerrefugium, welches die Mode der Zeit aber auch das Selbstverständnis des durch Handel zu Reichtum gelangten Bozner Bürgertums widerspiegelt.



Anlässlich des Abschlusses umfangreicher Renovierungsarbeiten und der 300sten Wiederkehr des obgenannten Besitzwechsels finden im Sommer 2026 vor dem historischen Sommerfrischhaus in Maria Schnee/Oberbozen drei kulturelle Veranstaltungen statt – eine für jedes Jahrhundert.


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Bronisław Malinowski und die Villa Kinsele

In einem früheren Beitrag habe ich aufgezeigt, wie auf die Jahre des Aufschwungs der Villa Kinsele eine Periode des Niedergangs folgte. Ob der Grund dafür im mangelnden Interesse an der Sommerfrische von Seiten der Eigentümer oder – was plausibler ist – in einer Verschlechterung der finanziellen Situation zu suchen ist, vermag ich nicht mit Sicherheit zu sagen.

Abb. 1: Annonce in den Bozner Nachrichten vom
31.1. und 7.2.1915.

Tatsache ist jedenfalls, dass die Familie Kinsele ihr Sommerhaus nicht mehr bewohnte und es ganzjährig zur Vermietung anbot (Abb. 1). Ob in all den Jahren bis zum Verkauf 1943 Mieter gefunden werden konnten und wer diese waren, wird nicht mehr zur Gänze ermittelbar sein. Von einer Familie wissen wir jedoch, dass sie das Haus bewohnte, denn die Eheleute waren die bedeutenden Wissenschaftler Bronisław Malinowski und seine erste Frau Elsie R. Masson.

Abb. 2: Das Bild zeigt die Familie Malkinovski auf dem Platzl vor der Villa Kinsele (Wayne 1995). Am rechten Bildrand sieht man den zweiten Kastanienbaum, der in den 20er- oder 30er Jahren entfernt wurde und einen kleinen Teil des Daches der Villa Amalia des Benedikt Pobitzer, welches die Malinowskis im Jahre 1923 erwerben werden .

Bronisław Malinowski (geboren 1884 in Krakau, gestorben 1942 in New Haven) gilt als einer der Begründer der modernen soziokulturellen Anthropologie, seine ethnographische Methode ist bis heute ein wichtiger Bezugspunkt. Man sagt, er sei für die Anthropologie das gewesen, was Freud für die Psychoanalyse war. Während seiner Studienaufenthalte in Ozeanien lernte er seine spätere Frau, die australische Journalistin Elsie Masson (geboren 1890 in Melbourne, gestorben 1935 in Natters), kennen, die ihren Mann nicht nur tatkräftig unterstützte, sondern auch eigenständige Studien betrieb (Salvucci 2021).

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