So werden unseren früheren Sommerfrischler den Ritten kaum erlebt haben. Die traditionelle Aufenthaltsdauer in Oberbozen lag zwischen Peter und Paul (29. Juni) und Maria Geburt (8. September); außerhalb dieser Zeit wurde der Ritten von den Stadtbewohnern nicht besucht. Einerseits war er bis zur Bahneröffnung nur mühsam zu erreichen und andererseits bestand lange kein besonderes Interesse daran. Erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts verbreitete sich in der Allgemeinheit der Wunsch, Berge zu besteigen. In der Folge entstanden die Alpinclubs, Wege wurden markiert. Schutzhäuser auf den Bergen errichtet, Bergbahnen gebaut.
Franz Kinsele hat im Hinblick auf die deutlich bessere Erreichbarkeit durch den bevorstehenden Bahnbau die Villa Kinsele winterfester gemacht. Er, der inzwischen pensionierte Sparkassenkassier, wollte nicht nur den Sommer in Oberbozen verbringen. Ihm verdanken wir deshalb die beiden Täfelungen im Erdgeschoss. Der auch von ihm dort errichtetete einzige Kachelofen des Hauses fiel aber den Umbauarbeiten in den 70er Jahren zum Opfer. Leider konnte Franz Kinsele die Vorteile der Bahn nur kurz nutzen: Am 9. Januar 1908, im ersten Winter, in dem die Bahn in Betrieb war, verstarb er unerwartet.

