



Geschichte eines Hauses, einer Familie, eines Ortes
Ein Herr im dunklen Anzug, mit Vollbart und schwarz gerandeter Brille, posiert schmunzelnd vor einem stattlichen Haus. Ein paar Meter entfernt seine Frau – auffällig schmale Taille, knöchellanger Rock, Steckfrisur – schwebend, auf Stelzen. Sie lächelt, scheint die hohe Position zu genießen.

Die beiden, die in einem heiteren Moment auf der Schwarz-Weiß Fotografie festgehalten worden sind, bezaubern die Besucher: innen, die in die geräumige Küche der Villa Kinsele geladen werden – und machen neugierig auf jene, die hier gewohnt haben, auf ihre Geschichten und den Geist, der durch die Räume weht. Der ist nicht so leicht zu fassen, in dreihundert Jahren brausen viele Windböen um den alten Turm der Maria-Schnee-Kirche. Aber es gibt jahrhundertealte Wandkästen in der Villa, schmiedeeiserne Schlösser, florale Fresken, robuste Truhen und im Dachboden sogar alte Schrankkoffer, die von Abschied und Alltag, von Reichtum und Moden, von Ehrgeiz, Schönheit und Handwerk, von Kunst und Vergänglichkeit erzählen. Gemütlich ist das Pfaffenzimmer, vielleicht entdeckt jemand den Hl. Donatus und die Frage, wie das Dienstmädchen heißt, das sich hinter der alten Täfelung mit einem Autogramm verewigt hat, kann der Gastgeber sicher auch beantworten.
Wer in der Villa Kinsele übernachten darf, schläft gut. Der Blick aus dem Schlafzimmer fällt auf hohe alte Bäume und markante Berge, einen kleinen Kirchturm, einen geheimnisvollen Gang, einen rot gestrichenen Balkon und auf Grün, das üppig durch den Sommer leuchtet.
Dieser Moment, an dem der Schlaf vorbeigezogen ist und ein neuer Tag anbricht, ist ein magischer – vor allem, wenn Entspannung und Leichtigkeit die Stuben und das Herz umgarnen: In diesem Haus werden viele in Glück den Tag beginnen!
Und wer genau lauscht, der vermag die Geheimnisse vielleicht zu hören und zu deuten: Der Frieden liegt im Augenblick. Nichts ist umsonst, nichts ist zufällig, nichts ist nur ein Wimpernschlag im Wind. Das, was wirklich bleibt, ist unsichtbar.
Unsichtbar wie der Reigen an Gefühlen in jener Frau mit Steckfrisur, in knöchellangem Rock und auffällig schmaler Taille, die schwebend auf Stelzen geht an einem Sommertag.

“Die Ruine der Burg Stein am Ritten befindet sich in Südtirol in der Gemeinde Ritten unterhalb von Siffian. Die wenigen imposanten Reste der Burgruine erheben sich auf einem isolierten Felskopf ober einer Schlucht, die vom Ritten ins untere Eisacktal abfällt. Vom ehemals mindestens vierstöckigen Palas stehen nur noch Süd- und Westwand, die Ringmauern der tiefer gelegenen Vorburg sind zum Großteil in die Tiefe gestürzt. In der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts wurde die Anlage von den Herren „de Lapide“ (zum Stein) erbaut, 1349 zerstört, danach wieder aufgebaut und im 17. Jahrhundert aufgelassen. Über lange Zeit fungierte die an wichtigen Sekundärverbindungen gelegene Burg als Gerichtssitz des Rittens. Im Auftrag der Tiroler Landesfürsten übten im 15. Jahrhundert Pflegrichter die Gerichtsbarkeit aus, so im Jahr 1417 der Bozener Adelige Ingenuin von Weineck als <phleger auf dem Stain>“.
(aus Wikipedia 2025)
Der Louis-seize (auch: Louis XVI, vorrevolutionärer Klassizismus) ist eine Stilrichtung in der französischen und französisch beeinflussten europäischen Kunst und Architektur des 18. Jahrhunderts zwischen 1760 und 1790. Der Stil ist benannt nach dem französischen König Ludwig XVI. (Regierungszeit: 1774–1792).
(Aus Wikipedia)

Es ist nicht feststellbar, wem genau wir den reichhaltigen Bestand an Möbeln dieser Stilrichtung zuzuschreiben haben, ob dem Sohn des Erbauers der des Kinselehauses, dem späteren Bankrotteur Joseph Andre Lanner, oder dem 1779 nachfolgendem Ersteigerer der Immobilie, dem Emporkömmling Franz Sales Kinsele. Tatsache ist jedenfalls, dass die vermögenden Bozner Handelsherren gute bis beste Kontakte auch zur Welt außerhalb des “Land im Gebirge” hatten und ihren Reichtum nicht ungern mit Gegenständen à la mode zelebrierten.

Mit dem Setzen der Bäume längs der zusätzlichen Einfahrt, welche im Rahmen von kleineren Grenzverschiebungen mit dem südlichen Nachbarn gebaut wurde (ich berichtete), kann auch dieses Vorhaben als beendet betrachtet werden. Es stimmt, der Bretterzaun muss wieder montiert und ergänzt werden und mittelfristig wäre es sinnvoll, auch ein Gitter am Beginn der Rampe montieren zu lassen. Aber momentan will ich weitere Ausgaben vermeiden und die Benutzbarkeit ist ja so auch gegeben.

Entlang der zur oberen Wiese führenden Rampe haben wir Bäume setzen lassen. Der tradierten Umgebung gemäß zwei Winterlinden (Tilia cordata) und zwei Rosskastanien. Bei letzteren fiel dieses Mal die Wahl auf rosa blühende Exemplare (Aesculus x carnea). Erstens aus ästhetischen Gründen und zweitens, – leider wichtiger – weil diese natürlichen Hybride resistent gegenüber der sich sehr stark ausgebreiteten Miniermotte (Cameraria ohridella) sind. Anfällig ist dieser natürliche Hybrid aber wie seine Gattungsgenossen auf den die Blattbräune der Rosskastanie verursachenden Pilz Guignardia aesculi.
„Erschließung mit Bepflanzung abgeschlossen“ weiterlesen
Ritten-Kenner werden in Abbildung 1 sogleich das St.-Josef-Kirchlein des Weilers Wolfsgruben, kurz vor Oberbozen gelegen, erkannt haben. Wenn man die Ansichtskarte vergrößert, erkennt man den noch offenen Bach, der zum gleichnamigen See führt, einen Holzsteg darüber, einen Karrenweg und rechts, dem Zaun entlang, einen gepflegten Fußweg. Und wenn man besonders akkurat in die linke Ecke schaut (Abb. 2), kann man einen an der Lärche die dringende Notdurft verrichtenden Knaben erkennen. Wird er die Anwesenheit des Fotografen nicht bemerkt haben?

Und wie sieht die Situation heute aus? Ich habe letztlich probiert, das Foto nachzustellen (Abb. 3) , ein Unterfangen, das schon durch die vermutlich verschiedenen Brennweiten nicht erleichtert wird. Zudem ist es nicht einfach, den Aufnahmepunkt zu finden bzw. kann er auch gar nicht mehr zugänglich sein. Im Fall von Wolfsgruben hatte ich Glück, man kann die Bilder recht gut vergleichen.
Abb. 3: Das St.-Josef-Kichlein im Sommer 2025.
„Ansichtskarten der Woche (12)“ weiterlesenDie elegant geschnitzten Röschen in der Stuben-Täfelung (siehe Beitrag „Fenster in die Vergangenheit 3“) waren nur ein Teil der optischen Genüsse, die wir in unserer Sommerfrische in der Villa Kinsele erleben durften: Eine wunderbar renovierte Stube, in der das Element Holz rundum für Behaglichkeit sorgt und eine moderne Küchenzeile den Kontrapunkt fürs Auge und die Praktikabilität im Alltag setzt. Der Blick aus dem Fenster fällt auf die großen jahrhundertealten Bäume mit ihren sattgrünen Blättern.
Unsere Wohnung “Johanna” liegt im oberen Stock und verfügt neben der getäfelten Stube über ein sehr geräumiges Schlafzimmer mit Balkon, Blick ins Grüne und auf die Kapelle Maria Schnee. Am liebsten würde man den ganzen Tag im Haus verbringen und das wahrlich historische Ambiente genießen, indem man das perfekt renovierte Stiegenhaus mit seinen geheimnisvollen Gemälden und alten Möbelstücken auch noch mit bewohnt. Eigentlich ist die Woche hier als Gast viel zu kurz geworden.
Ein kleiner Trost ist (und wer unsere Gastgeber kennt, weiß es): nicht nur jedes Stück und Element hier in der Villa Kinsele hat seine eigene Historie, sondern auch jeder Gast schreibt die Geschichte des Hauses in irgendeiner Weise ein kleines Stück weiter. Wir danken für diese Möglichkeit und die besondere gastliche Aufnahme und hoffen auf eine Fortsetzung der Geschichte irgendwann.
Dal 1726 Villa Kinsele è il punto d’appoggio ideale per sfuggire alla calura estiva della città e godere dei bei paesaggi dell’altopiano del Renon.
Anche per noi, quasi 300 anni più tardi, non ha fatto eccezione: abbiamo passato una bella settimana nell’appartamento Johanna, che è stato recentemente restaurato da Armin e Monika. Svegliarsi con il cinguettare degli uccelli, fare colazione all’aperto con la bella vista sulle montagne, partire ogni giorno per un’avventura su un sentiero diverso, il tutto con pantaloni lunghi e felpa, è un bel regalo per questo periodo dell’anno.
L’esperienza nella casa è stata particolare: molto interessante il connubio tra tradizione e innovazione. I proprietari di casa hanno fatto un lavoro incredibile per riportare la struttura alla forma originaria del diciottesimo secolo. Tutto questo, tuttavia, senza privare gli ambienti interni dei comfort necessari. In questo modo viene a crearsi un piacevole contrasto tra antico e moderno, tradizione e innovazione, bellezza e praticità.


Über die Arbeiten von Alois Langgartner wurde hier schon öfters berichtet (1, 2, 3, 4), hat doch gerade die äußere und innere Farbgebung eines historischen Gebäudes nicht nur einen ästhetischen Wert, sondern ist auch ein wesentlicher Teil der Geschichte der Villa. Mit Alois Langgartner und seinen Mitarbeitern hatten wir ein tolles Team am Bau, das nicht nur mit sehr viel Fingerspitzengefühl punktete – Alois und Andreas haben über Jahre in den Pescoller-Werkstätten gearbeitet – , sondern auch eine besondere Zuverlässigkeit an den Tag legte. Und was mir, auch bei anderen Handwerkern besonders gefiel: sie teilten gerne ihr Wissen mit mir, ich konnte viel in dieser Zeit von ihnen lernen. Anbei auch sein Restaurierungsbericht.

Warum das warme Wasser neu erfinden? Warum nicht die Expertinnen und Experten selbst zu Wort kommen lassen? Anbei der reich bebilderte Bericht der Fa. Zingerle. Ich hatte nicht zu hoffen gewagt, dass eine so gründliche und doch schonende Reinigung der extrem stark verrußten Malereien am Gang möglich war (ich berichtete). Ich kann diesen Betrieb nur weiterempfehlen, in jeder Hinsicht.